Waldbrandgefahr und verantwortungsvolle Waldwirtschaft

Freiburg i. Br. (ots) –

Wie kann nachhaltige Waldwirtschaft der Waldbrandgefahr langfristig entgegenwirken?

Die Sonne brennt und die Temperaturen bewegen sich häufig über der 30 C°-Grenze – was liegt näher, als ein Ausflug in den kühlen Wald mit Picknick und Grillen mit Freunden? Doch Vorsicht, in Deutschlands Wäldern herrscht akute Waldbrandgefahr, von Lagerfeuern, Grillaktionen oder unachtsam weggeworfenen Zigaretten ist dringend abzusehen. Langfristig kann eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, wie es der Forest Stewardship Council (FSC) vorsieht, Walbränden entgegenwirken.

„Dramatisch“, schildert Herr Rudolf Hansknecht vom FSC-zertifizierten Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen die Waldbrand-Situation vor Ort. In den letzten Tagen herrschte das erste Mal höchste Warnstufe. Mit den gestrigen Regenfällen habe sich die Situation zwar entspannt, „aber für eine wirkliche Entwarnung in Sachen Waldbrand müsste es so jetzt mindestens eine Woche lang weitergehen.“

Günstig: Misch- und Laubholzbestände

90 Prozent der Waldbrände werden durch den Menschen verursacht, sei es durch fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten. Trotzdem kann auch die Waldstruktur selbst dazu beitragen, Katastrophen wie Feuern entgegen zu wirken. Entscheidend ist dabei das Waldinnenklima. Das typische feucht-kühle Klima wird bestimmt durch die Verdunstung von der Blattoberfläche (Interzeption), der Verdunstung vom Waldboden (Evaporation) sowie der Transpiration der sogenannten Blattstomata. Mit steigender Sonneneinstrahlung, Trockenheit der Luft und stärkerer Luftströmung steigt die Verdunstung der Wälder insgesamt. Nadelreinbestände und Wälder mit großen Kahlflächen sind nun besonders von der Austrocknung und damit der Waldbrandgefahr betroffen. „In FSC-Wäldern sind Kahlschläge verboten und Nadelreinbestände müssen zu Misch- beziehungsweise Laubholzbeständen umgebaut werden. Das sind wichtige Voraussetzungen, um die Resilienz des Waldes zu stärken.“, erklärt Elmar Seizinger, Leiter der Abteilung Wald bei FSC Deutschland. Bei der Baumartenzusammensetzung solle dabei auch auf Arten mit hoher Wasseraufnahmefähigkeit geachtet werden, um die Grundwasserspeicherung zu stärken. Von reinen Nadelbaumbeständen sei auch deswegen abzusehen, weil unter Laubbäumen mehr Sickerwasser in den Boden gelangen kann. Das liegt einerseits an der nur saisonalen Belaubung aber auch an der sperrigen Baumkrone vieler Nadelbaumarten, die Wasser abfängt, bevor es den Waldboden erreicht.

Verdunstung vermeiden

Um Arten, die von Biotop- und Totholz abhängen, einen dauerhaften Lebensraum zu erhalten oder zu schaffen, sieht der FSC-Standard eine betriebliche Biotop- und Totholstrategie für die gesamte Holzbodenfläche vor. Totholz steht jedoch in Zusammenhang mit Waldbränden in der Kritik: es trockne bei großer Hitze aus und biete so willkommenes Brennmaterial im Falle eines Feuers. Totholz, also eine Bedeckung des Bodens, wirkt aber auch in hohem Maße dessen Austrocknung durch Verdunstung entgegen, denn Ast- und Kronenmaterial sowie die Humusauflage speichern die Feuchtigkeit. Diese wird in bewirtschafteten Wäldern darüber hinaus durch Entwässerungssysteme beeinflusst. Oberirdische Grabensysteme, die Wasser aus den Wäldern ableiten, sind weit verbreitet, von FSC jedoch nicht erlaubt. Dieser Abtransport von Wasser verhindert somit auch eine Grundwasserneubildung und wirkt sich negativ auf den Erhalt von Feuchtgebieten im Wald und deren Biodiversität aus. „Auch die Befahrung von Waldboden hat negative Auswirkungen auf die Wasserspeicherung im Boden und wird in FSC-Betrieben minimiert und auf Rückegassen konzentriert – die Befahrung abseits von Rückegassen ist untersagt“, erläutert Elmar Seizinger.

Um die akute Gefahr von Waldbränden zu vermeiden, empfiehlt Herr Hansknecht dringend, sich an das Rauchverbot im Wald vom 1. März bis 31. Oktober zu halten, auch außerhalb des Waldes keine Kippen unachtsam wegzuwerfen und kein offenes Feuer im Wald zu machen und Autos nur auf festem Untergrund zu parken. „Und ganz wichtig ist natürlich, entdeckte Brände sofort über die 112 zu melden“.

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Quelle: ots