Afghanische Rückkehrende aus Pakistan haben weder Unterkunft noch Essen

Köln (ots) –

Laut Erkenntnissen von Islamic Relief-Teams am Grenzübergang Torkham sind die Bedingungen für afghanische Flüchtlinge, die kürzlich aus Pakistan zurückgekehrt sind, katastrophal. 90 Prozent der Neuankömmlinge sind kurz vor dem eisigen afghanischen Winter obdachlos. Seit dem 15. September haben bisher fast 400.000 Afghanen die Grenze zurück nach Afghanistan überquert, nachdem die Anordnung, die etwa 1,7 Millionen Menschen betreffen könnte, von Pakistan erlassen wurde.

Während die Menschen weiterhin in Afghanistan ankommen, hat fast ein Drittel der Neuankömmlinge (32 Prozent) keinen ausreichenden Zugang zu Nahrungsmitteln und fast zwei von drei (62 Prozent) berichten über gesundheitliche Probleme wie Durchfall und andere Magen-Darm-Beschwerden. 40 Prozent von ihnen sind Kinder, 16 Prozent sind unter vier Jahre alt.

Islamic Relief hat Hunderte Neuankömmlinge befragt, die die Grenze von Pakistan nach Afghanistan überquert haben, nachdem die pakistanische Regierung diejenigen, die keine Papiere haben, zur Ausreise aufgefordert hat. Die Hilfsorganisation hat einen Hilfsplan in Höhe von 2,9 Millionen Euro aufgelegt, um die Rückkehrer in den nächsten sechs Monaten mit Cash-Mitteln, medizinischer Hilfe, Bildungsmaterial sowie Wasser- und Sanitärversorgung zu unterstützen. Islamic Relief unterstützt die Rückkehrenden sowohl auf der pakistanischen als auch auf der afghanischen Seite der Grenze und plant, sie auch bei ihrer Ankunft am Zielort in Afghanistan zu unterstützen.

Die am Grenzübergang Torkham durchgeführte Bewertung ergab außerdem, dass 92 Prozent der befragten Personen keinen einfachen Zugang zu sauberem Wasser und 71 Prozent Probleme beim Zugang zu sanitären Einrichtungen haben. 98 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder und den Schutz älterer Menschen machen, während 90 Prozent angaben, dass sie sich nun Sorgen um den Zugang ihrer Kinder – insbesondere der Mädchen – zur Bildung machen.

Viele dieser Afghaninnen und Afghanen hatten sich ein Leben in Pakistan aufgebaut und sehen nun einer ungewissen Zukunft entgegen. Und viele der Rückkehrenden wurden in Pakistan geboren und waren noch nie in Afghanistan.

Die Menschen kehren nach Afghanistan zurück, während sich das Land inmitten einer der schlimmsten humanitären Krisen der Welt befindet. Zu den Hunderttausenden neuer Rückkehrenden kommen mehr als 29 Millionen Afghanen hinzu, die humanitäre Hilfe benötigen. Viele von ihnen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, und die Arbeitslosigkeit ist enorm hoch.

Die Rückkehrenden berichteten Islamic Relief, dass die Reise von Pakistan aus extrem beschwerlich war und sie unterwegs ihre spärlichen Habseligkeiten verloren haben. Der nahende Winter in Afghanistan – wo die Temperaturen bis zu 30 Grad unter den Gefrierpunkt fallen können – macht die Situation noch dringlicher, da es den Neuankömmlingen an Unterkünften, warmer Kleidung und Lebensmitteln fehlt.

Dr. Manzoor Ahmed, der stellvertretende Landesdirektor von Islamic Relief in Afghanistan, sagt: „Viele dieser Menschen kommen mit nichts nach Afghanistan, während ein eisiger Winter bevorsteht. Sie haben keine Bleibe, keine Lebensmittel und keine medizinische Versorgung, sie sind krank und verarmt. Humanitäre Organisationen wie Islamic Relief leisten Hilfe, aber sie brauchen viel mehr Unterstützung. Die afghanischen Flüchtlinge sind von der Welt im Stich gelassen worden“.

Rahmatullah Khugiani, Regionalleiter von Islamic Relief in der Provinz Nangarhar, wo die meisten Rückkehrer ankommen, sagt: „In unserer provisorischen Gesundheitseinrichtung am Grenzübergang Torkham wurden über 12.000 Menschen mit verschiedenen Krankheiten registriert, die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Wenn die Maßnahmen nicht so schnell wie möglich ausgeweitet werden, besteht die unmittelbare Gefahr der Ausbreitung von Infektionskrankheiten“.

Die meisten afghanischen Flüchtlinge sind in Nachbarländern wie Pakistan und Iran untergebracht, aber der von den Vereinten Nationen geleitete regionale Flüchtlingshilfeplan ist in diesem Jahr nur zu 15 Prozent finanziert.

Afghanistan ist mit einer schweren humanitären Krise und gleichzeitig schrumpfenden Gebermitteln konfrontiert. Bis zum 28. November 2023 wurden nur 39,5 Prozent des Gesamtbedarfs des von den Vereinten Nationen geleiteten Aktionsplans (HRP, Humanitarian Response Plan) für Afghanistan finanziert, was die Fähigkeit der humanitären Organisationen bedroht, auf die wachsende Krise und neue Notfälle wie die jüngsten Erdbeben in Herat zu reagieren.

Teams von Islamic Relief in Afghanistan unterstützten Hunderte Rückkehrende mit medizinischer Versorgung und verteilten Schulsets an Kinder im Auffanglager Torkham.

Informationen zu Spenden für die Menschen im Erdbebengebiet Herat in Afghanistan unter www.islamicrelief.de

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